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Der Begriff Maske

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Videotranskript

Der Begriff Maske oder „in der Maske sitzen“ wird in der Stimmtherapie wie in der Gesangspädagogik fleissig verwendet. Leider versteht jeder ein bisschen etwas anderes darunter.

In der Stimmtherapie trifft man den Begriff „Die Stimme in die Maske bringen“ häufig an im Zusammenhang mit Stimmübungen wie der folgenden: „Nonnen nennen nie nen Namen.“

Eine treffendere Bezeichnung anstatt Maske wäre in diesem Fall NASALIERUNG.  Diese Technik wurde von Johannes und Elke Pahn entwickelt. Ihr liegt die Idee zugrunde, dass die Inaktivierung des Gaumensegels die kehlkopfhebenden Kräfte ausschaltet.

Von etwas ganz anderem wird gesprochen, wenn der Begriff „in der Maske sitzen“ für eine Gefühlssensation im oberen Zahndamm verwendet wird. Ein leichtes Vibrieren kann dort wahrgenommen werden, wenn der Vokaltrakt beim Summen in die Stellung des Gähnens gebracht wird. Die Stellung des Gähnens meint: Leicht abgesenkter Kehlkopf, gedehnte Rachenwand, gespanntes Gaumensegel. Treffender wäre hier anstelle von „Maske“ der Ausdruck „Kuppelklang“, wie ihn Schlaffhorst und Andersen, Entwickler des gleichnamigen Stimmtherapieansatzes, verwenden.

Hinter der Nasalierung und dem Kuppelklang verbergen sich zwei einander ein Stück weit entgegengesetzte stimmtechnische Konzepte. Die Nasalierung taucht nämlich vielfach im Zusammenhang  mit der Idee auf, dass der Stimmklang massgeblich von der Weitung des Mundraumes abhängt, jedoch nicht von der Weitung des Rachenraumes. Vertreter dieser Stimmtechnik plädieren darum für einen möglichst weit geöffneten Mund und oftmals auch für eine flach gedrückte Zunge. Dies um die Weite des Mundraumes zu optimieren. Die Idee des Kuppelklanges findet man hingegen oft bei Gesangspädagogen und Stimmtherapeuten, die der Ansicht sind, dass der Klang der Stimme massgeblich durch eine Weitung des Rachenraumes verbessert wird, durch eine Weitung des Mundraumes jedoch nicht. In dieser stimmtechnischen Schule wird der Mund beim Singen hoher Töne zwar auch geöffnet, jedoch nicht des Klanges willen, sondern um das Zusammenspiel der Kehlkopfmuskeln zu optimieren. In dieser Schule das Flachdrücken der Zunge verpönt, weil die Zunge dabei nach hinten rutschen könnte, was das Zusammenspiel der Kehlkopfmuskeln tendentiell ungünstig beeinflusst. Stattdessen wird die Zunge so weit als möglich aus dem Rachen hinaus befördert, indem die Zungenspitze zum Zungenbändchen abgesenkt wird. Weil in diesem Ansatz die grösse des Mundraumes nicht als wichtig angesehen wird, darf die Zunge einen erheblichen Teil des Mundraumes für sich beanspruchen, kann also aufgewölbt sein. Eine exakte Form der Zunge ist allerdings nicht vorgeschrieben.

Traditionell ist der erste Ansatz mit der Nasalierung und dem geweiteten Mundraum im deutschsprachigen Raum gewachsen, der zweite Ansatz mit dem geweiteten Mundraum und der nach vorne gerollten Zunge hingegen stammt aus Italien. Die beiden Erklärungsmodelle sind aber nur in der Theorie gegensätzlich. Zumindest bei Sängern, die auf der Bühne stehen, lässt sich oft kaum mehr erkennen, aus welcher Schule sie stammen. In der Gesangspädagogik weiss ich  es nicht genau, aber in der Stimmtherapie ist der erste Ansatz stärker vertreten. Ich vermute, weil er einfacher zu verstehen und weiterzugeben ist. Die italienische Gesangstechnik ist zudem schlechter dokumentiert.

Wissenschaftlich evaluiert sind Stimmtechniken generell nur mangelhaft.

Der Begriff Maske wird aber noch in einem anderen Zusammenhang verwendet. Manchmal wird nämlich auch von Maskenklang gesprochen, wenn es um den hochfrequenten Tonanteil einer Singstimme geht. Hier wäre der treffendere Begriff „Squillo“ oder „Metall“. „Squillo“ beruht nicht auf einem bestimmten technischen Manöver. Stattdessen entwickelt es sich mit zunehmender sängerischer Erfahrung. Meiner Meinung nach sollte es nicht durch spezielle Trainingsmethoden forciert werden. Dabei besteht nämlich die Gefahr, dass der Gesangsschüler alles andere vernachlässigt. Legato, genaue Stimmführung, Beweglichkeit, Dynamik und Ausdruck sind viel schwieriger zu lernen und sollten deshalb stets höher gewichtet werden als der reine Stimmklang. Ich habe noch nie eine Singstimme gehört. die all diese Eigenschaften besass, jedoch zu wenig hochfrequente Stimmanteile. Den umgekehrten Fall gibt es hingegen zuhauf: Sänger mit wunderschönen Stimmen, die keine einzige Partie auf musikalisch ansprechendem Niveau bewältigen können.

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