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Sprechstimmlage

In der Logopädie wird davon ausgegangen, dass es für die Sprechstimme einen idealen Tonhöhenbereich gibt, der “den körperlichen Gegebenheiten gemäss” oder “natürlich” ist und dass es notwendig ist, die Stimme auf dieser “physiologischen” Stimmlage einzupendeln. Dieser Idee liegt die Annahme zugrunde, dass je nach Länge der Stimmlippen nur auf genau einer Tonhöhe mit minimalem Kräfteaufwand – also entspannt – Ton erzeugt werden kann und dass diese Art der “entspannten” Tonerzeugung Stimmstörungen garantiert verhindert. Wie die Indifferenzlage bestimmt wird, wird von keiner Autorität präzise ausgeführt. Stattdessen wird darauf verwiesen, dass grosse Erfahrung dazu notwendig sei. Einig ist sich die Fachwelt laut Olaf Nollmeyer zudem, dass die Sprechstimmlage “voll, tief und dunkel-weich”, klinge. In einem Artikel der Zeitschrift Forum Logopädie (Heft 4 (26), Juli 2012, S. 12-17) analysiert er sämtliche Annahmen zur Indifferenzlage und kommt zum niederschmetternden Resultat, dass unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten keine einzige Bestand hat. Sein Fazit: “Die mit der Idee (Der Indifferenzlage, Anm. der Verf.) verbundenen gesundheitlichen und normativen Ansprüche können nicht eingelöst werden. (….) Übungen, die damit im Zusammenhang stehen, sind allerdings nicht notwendig schädlich. Denn über die Nützlichkeit einer Praxis entscheidet ja nicht, ob sie gut begründet wird.”

In anderen Worten ist es von Vorteil, wenn eine Sprechstimme “voll, tief und dunkel-weich” klingt, denn dieser Stimmklang wird nicht nur von Stimmtherapeuten positiv wahrgenommen. Der Wohlklang der Stimme bewahrt jedoch nicht vor Heiserkeit und umgekehrt führt eine Stimme die nicht voll, tief, und dunkel-weich klingt nicht zwingend zu Stimmproblemen. Es gibt höchstens die Möglichkeit, dass der ungünstige Stimmklang und die vorhandene Stimmstörung eine gemeinsame Ursache hat.

 

 

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